Die großartigen Tänzer schöpfen aus einem reichen Bewegungsrepertoire, mal sind es fließende und lang gehaltene Formationen allein, zu zweit oder zu dritt, mal sind es absurde, düstere und verstörende Haltungen, die vor allem durch ihre Nacktheit berühren, provozieren und aus dem Zuschauerraum das ein oder andere Lachen hervorlocken. (…) Zum Schluss haben sich alle fünf Tänzer mit knalligen Signalfarben bemalt. Ihre Figuren werden immer fantastischer und ihre Körper scheinen sich mehr und mehr anzunähern. Sie berühren sich und die Farben vermischen sich auf ihren Körpern – ein schönes Schlussbild, dass die Lust am Spiel mit Kunstsparten, Stilen und Epochen unterstreicht und den Körper zum eindrucksvollen Bildträger macht. Rheinische Post Krefeld

(…) so führen sie [Verena Billinger und Sebastian Schulz] in „Unlikely Creatures“ zunächst in ein eigenwilliges Laboratorium, wo Tänzerbewegungen (Arme, Beine, Gelenke, Kopf, Hals, Becken und Schulter) auseinandergenommen werden. Wie mit einem Seziermesser zerlegen sie Schritte des klassischen Balletts oder des modernen Party- oder Disco-Dance. Nur selten tanzen sie in Normaltempo oder bauen wie Artisten in einer Revue mit ihren Körpern Türme. (…) die fünf Performer führen in so viele Regionen und beflügeln derartig die Fantasie, dass keine Sekunde Langeweile aufkommt. Eine Seltenheit in der Performance-Szene. WZ

Mimik und Bewegungsablauf wirken feierlich ernst, obwohl man vorübergehend den Verdacht schöpft, manches könne vielleicht ironisch gemeint sein. (…) Doch mit zunehmender Dauer des Abends werden die Figuren immer phantastischer, immer rätselhafter, immer weltabgewandter. Gleichzeitig wirkt der Tanz immer professioneller. Es ist ja wahr: Tänzerinnen und Tänzer auf der Höhe ihres Könnens sind ja auch irgendwie „Unlikely Creatures“. (…) Statuen, versteinerte Schönheiten drehen sich wie auf einem rotierenden Podest, auf dass man sie von allen Seiten bewundern kann. (…) Zuckende Automatenmenschen ruckeln über die Bühne – nicht alle sind Geschöpfe einer harmonischen Zauberwelt, manche mögen auch in ihrem so fremd (in manchen Fällen auch miss-) gestalteten Körper gefangen sein und auf den einen oder anderen Zuschauer gruselig wirken. Doch gern lassen wir uns mitnehmen in diese geheimnisvolle Welt, die zumeist fröhlich und harmonisch wirkt und wunderschöne Bilder schafft. In diesem Märchenwald könnten wir vielleicht den Ängsten und Sorgen unseres Alltags entrinnen; vielleicht müssten wir aber auch zunächst ähnlich gefährliche Abenteuer bestehen wie Alice im Wunderland. (…) Aber die Regeln für den Tanz – sie gelten in herausragender Weise: Mit außerordentlicher Präzision bewegen sich die fünf Performer im Rhythmus der Musik, die vor allem aus Beats und Elektropop besteht, aber auch einmal Anklänge an afrikanische Trommelrhythmen hören lässt – und immer wieder Störgeräusche, so wie auch die Schönheit der Bilder immer wieder gebrochen wird. Getanzt wird viel an diesem Abend, was bei zeitgenössischen Tanzperformances ja keineswegs mehr erwartet werden darf. (…) Mit dem ersten Teil von „Unlikely Creatures“ haben sie wieder ihre romantische Seele entdeckt und vorwiegend schöne Bilder geschaffen, ohne jemals in den Kitsch zu verfallen. Gespannt warten wir auf die Fortsetzung der Reihe. tanznetz

Einen „Sezierraum“ benötigt das Düsseldorfer Choreografengespann Verena Billinger und Sebastian Schulz sehr wohl für sein Vorhaben. Es geht um nichts anderes, als die Geschichte der Choreografie zu dekonstruieren und in zahlreichen Zitaten in neuen Erscheinungsformen wieder zusammenzusetzen. (…) Vom gekünstelten Ballett des Barocks bis in die meditativen Erscheinungsformen zeitgenössischen Tanzes zeigen Billinger und Schulz auch die Einbahnstraßen – oder noch nicht schlussendlich erforschten Wege? – der Tanzmoden. (…) Die Mimik wird aus der „Handlung“ ausgeklammert, ansonsten scheuen die Künstler vor nahezu keinem Tabu zurück. Der nackte Körper wird so oft zur Schau gestellt, bis die Kunst über die Erotik siegt, ehe alles in einem Farbrausch untergeht. Zurück bleibt, die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes im Zeitraffer und in immer wieder einfallsreichen Kombinationen ohne eine Wertung erlebt zu haben. (…) Das Publikum verharrt nur kurz in Schweigen, ehe ein für das Forum ungewöhnlich langanhaltender Applaus beginnt. (…) ein überaus herausragendes Tanzerlebnis. opernnetz

Wenn ein neues Stück von Verena Billinger und Sebastian Schulz ansteht, darf man vor allem eines nicht sein – sicher. Ihre „Unlikely Creatures“, die jetzt in den FFT Kammerspielen Premiere haben, kommen als Tanz-Performance daher, sind aber letzten Endes eine Versuchsanordnung, eine getanzte Geschichte des Tanzes selbst, die in der Frage mündet: Welche Kreatur bin ich eigentlich – eine Fee, ein Monster oder eine Sonne? Die exzellenten Performer stehen einander gegenüber, ein DJ liefert live den Soundtrack aus Electro, House und Pop, zu der Musik üben sie Bewegungen, die ihre Inspiration aus dem Bewegungsapparat der Kreaturen entleihen, sie bewegen sich zum Teil auf absurde Weise, entledigen sich ihrer Kleidung, verwandeln sich mit bunter Körperfarbe in phantastische Gestalten. Rheinische Post Düsseldorf

Beim Zuschauen späht man unter all dem Holzschnittartigen nach Nuancen, die etwas über die wirkliche Beteiligung der Performer verraten. Sie scheinen nur halb präsent zu sein, in einer geleeartigen Zwischenzone zu existieren, die vielleicht schützt, aber keinen Sauerstoff hat. Ohne unbedingt dem von den Künstlern aufgeführten Verweis auf die Theaterhistorie mit den in Tanz gekleideten normabweichenden Monster- und Feendarstellungen zu folgen, ließe sich das interpretieren als ein sehr zeitgemäßes, merkwürdiges Phänomen unserer behäbigen Lebenswirklichkeiten mit ihrer fixen Auswahl an Bewegungslust-Fluchten. Der mangels Fenster nach draußen nur eines fehlt: etwas mehr Luft. Nach oben. tanz 

Bewährt eindringlich startet die Choreographie von Verena Billinger und Sebastian Schulz. Thema ihrer aktuellen Produktion: „Unlikely Creatures – who we are“. (…) Die Darsteller agieren mit einer hohen Konzentration – so erzwingen sie von den Zuschauern uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Ihre Bewegungen setzen sich aus Akkuratesse und Langsamkeit zusammen. (…) Und je nicht-menschlicher die Geschöpfe werden, desto mehr kommunizieren sie miteinander. Dabei reicht die Spanne vom Anrempeln bis zum Liebesakt, die Farben auf den einzelnen Körpern mischen sich, lässt die Tänzer wie Ureinwohner verschollener Welten aussehen. NRZ